Seit fast 50 Jahren bietet die Stadt Halle in Westfalen - in Zusammenarbeit mit der Johanniskantorei der evangelischen Kirche - 10 Tage konzentrierten Musikgenuss.
Barock - Kammermusik - Chorwerke - Modernes und Experimentelles - Kinderkonzert - Orgelmusik - Orchesterkonzert - Geistliches und Atmosphärisches bietet dieses weit über die Grenzen der Stadt Halle bekanntes Klassik-Festival. Seit 1987 stehen sie unter der künstlerischen Leitung vom Martin Rieker, dem es immer wieder gelingt, bedeutende Interpreten und Ensembles für die Bach-Tage zu verpflichten. Stellvertretend seien hier Thomas Quasthoff, Maria Venuti, Emma Krikby, Klara Flieder, James Taylor und Peter Lika genannt.
Tragende Säule der Haller Bach Tage ist der Haller Bachchor, der sich über die Jahre zu einem wunderbaren Klangkörper entwickelt hat. Die Basis für diese qualitätvolle Chorarbeit bildet die breite Kinder- und Jugendarbeit der Haller Musikschule.
Zur festen Säule der Bach-Tage gehört auch die Heintz-Orgel in der St. Johanniskirche, die 1992 maßgeblich nach den Vorstellungen des gelernten Orgelbauers Rieker gebaut wurde und seither regelmäßig bedeutende Interpreten in die Lindenstadt zog. Der schöne Klang des in der Region einzigartigen Instruments begeistert Publikum und Künstler gleichermaßen.
48. Haller – Bach – Tage 2011
Der König tanzt
4. - 13. Februar 2011
Musik und Tanz – 48.Bachtage 2011 - in neuer Bewegung.
Die ältesten erhaltenen Dokumentationen des Tanzes sind indische Höhlenmalereien die in die Frühzeit, also 5000 Jahre vor Chr. reichen. Sie zeigen Reihentanzformationen, wie auch Einzeltänzer in rituellen Darstellungen. Zum Beispiel Gott „Shiva“ als König des Tanzes; oder Tod und Wiedergeburt des Gottes „Osiris“; oder auch die Beschreibung des Tanzes „Chorea“ in der Ilias des Homer ( 8.-6.Jhdt v.Chr) Auch das Alte Testament sprudelt nur so von Bewegungslust: Mirijam, die Schwester Moses; oder der große König David vor der Bundeslade – gleichsam der Gott Jahwe und sein Volk im Tanz. Auch im Neuen Testament wird vom Tanz gesprochen, denken wir an den Tanz der Tochter Herodias. Die spätere christliche Religion tat sich mit dem Tanz schwerer – dieser war in der mittelalterlichen Kirchen-Kultur eher ein notwendiges Übel. Nichts, desto trotz, wurde bei Hofe getanzt, wie auch im einfachen Volk. Die ersten Hoftanzmeister und das erscheinen der ersten Tanzhandbücher zeigen den Tanz besonders als Teil des adligen Lebensstils (15.Jhdt) Italienische „balli“, französische „ballets de cour“ und englische „masques“ sprengten nicht selten die Reihen der gesellschaftlichen Schichten. Formen wie: Folkloristischer, historischer, spiritueller Tanz, Bühnen und Gesellschaftstanz, Schautanz und die „sportlicheren“ Formen des Ballett und des Eiskunsttanzes prägen das Bild bis heute. Wichtig dabei ist immer die Verbindung: Musik und Tanz – Musik als Tanz – Tanzende Musik.
Die Barockzeit bediente sich einer neuen Tanzform: der Suite. Allemande, Courante, Sarabande, Menuett, Bouree und viele andere, zeugen von der länderübergreifenden, kollektiven Bewegungslust. Die „ernste“ Musik konnte in der Zeit des „neuen Stils“ (17.Jhdt) religiöse Themen als Suitensätze auch im Gottesdienst verarbeiten. Das größte Beispiel ist dabei die sog. Messe-H-moll Bachs, der neben dem alten „Palestrinasatz“ Suitenrhythmen verwendet. (z.B. „Quoniam“ ist eine Polonaise, oder die Gegenüberstellung Gloria 1 und 2)
Das umfangreiche Programm der 48.Haller-Bach-Tage zeigt viele dieser eben besprochenen Formen. Dabei spielt nicht nur der Ausdruckstanz in der Kirche eine Rolle, Schülerinnen und Schüler aus Halle werden zu klassischer Orchestermusik im Haller „Event Center“ die wunderbaren Kompositionen Chopins und Beethovens als Körperausdruck darstellen. Volker Eisenach wird dieses große Projekt als Choreograf leiten. Wir Haller haben ja schon damit Erfahrung (Tanz der Schüler zu Orgelmusik in der St. Johanniskirche 2007) Neugierig geworden? Würde mich freuen!
Künstlerische Leitung: Martin Rieker, KMD
Ende November geht das ausführliche Programm online, dann können Sie über diese Internetseite frühzeitig Ihre Konzertkarten bestellen.